Anlässlich des 80. Geburtstages des St. -Bernhard-Gymnasiums bietet das Kuratorium eine aktuelle Vortragsreihe zum Thema „Friedensethik“ für die Schulgemeinde und alle Interessierten an.
Der katholische Priester und Moraltheologe Prof. Dr. Peter Schallenberg lehrt an der Theologischen Fakultät Paderborn. Sein abendlicher Vortrag am 19.Mai 2026 zu der Frage: „Gibt es einen gerechten Krieg?“ wurde recht zu Beginn deutlich beantwortet mit der Feststellung: „…ja, leider.“ Die Begründungen und Herleitungen dieser Antwort war eine weitverzweigte und profunde Reise durch die antike Philosophie, mit literarischen, politischen und religiösen Bezügen bis hin zu Konflikten unserer Gegenwart, die angesichts des möglichen Einsatzes von atomaren Waffen eine ganz andere Brisanz aufweisen und führte zu der Darstellung, warum wir keine friedvollen Verhältnisse wie in der Schweiz herstellen können.
Für unsere Schülerinnen und Schüler der Oberstufe sowie einigen sehr interessierten Schülerinnen aus dem Philosophiekurs von Herrn Kötting in der Stufe 9 vermittelte Professor Doktor Schallenberg Erkenntnisse aus der Antike und Gegenwart indem er den Dialog mit ihnen suchte. So konnten die Jugendlichen sich von Anfang an einbringen, fühlten sich mitgenommen und fassten auch später den Mut persönlicheren Fragen zu stellen.
Start der Vortragsreihe war am 14.04. 2026 mit dem Thema: „Das Vermächtnis des 20. Juli 1944. Stauffenberg und seine Familie.“
Die Historikerin und Autorin Sophie Freifrau von Bechtolsheim ist eine geborene von Stauffenberg und die Enkelin von Claus Schenk Graf von Stauffenberg, der unmittelbar nach seinem gescheiterten Bombenattentat auf Adolf Hitler am 20. Juli 1944 von den Nationalsozialisten getötet wurde. Somit war der Vortrag von Frau von Bechtolsheim eine Analyse aus erster Hand und sie zeichnete die vielen Stationen und unglaublichen Schwierigkeiten des geplanten Attentats im sogenannten Führerhauptquartier nach, bei dem ihr Großvater trotz körperlicher Handicaps schließlich ganz allein agieren musste und nur der pure Zufall verhinderte, dass Adolf Hitler getötet werden konnte. Ebenso konnte sie aber auch vermitteln wie es der Familie des Widerstandkämpfers von Stauffenberg gelang, der geplanten Vernichtung durch das NS-Regime zu entkommen. Besonders die Frage, ob von Stauffenberg für uns heute ein Vorbild sein kann bewegte die Fragerunde am Schluss des Abends.
Die Moderation des jeweils anschließenden Austausches der Referenten mit dem Publikum übernahm Justus Kötting, der als Philosophiekollege die Fragerunden fachkundig einleitete und gleichzeitig die Zuhörerschaft zum Mitmachen anregte, sodass es zu vielen vertiefenden Rückmeldungen und Antworten kam, die ja das Besondere an Live-Vorträgen sind.
Pater Klaus Mertens sprach mit seinem Vortrag: „Was ist der Friede Christi, den die Welt nicht geben kann?“ am 21.04. 2026 einen Fragenkomplex an, der leider besonders aufgrund der internationalen Entwicklungen, stattfindender und angedrohter kriegerischer Angriffe auf den Frieden der Völker und die Demokratie sehr aktuell und präsent ist. So ist es auch nicht erstaunlich, dass am folgenden Schultag die Oberstufe sich rege an der anschließenden Fragerunde beteiligte und auch persönliche Befürchtungen und Ängste in Bezug auf eine friedliche Zukunft angesprochen werden konnten.
Ebenso auf persönliches Interesse unserer Schülerinnen und Schüler traf der Vortrag von General a.D. Josef Blotz, er sprach zum Thema: „Soldat und Christ – Wie passt das zusammen?“, denn viele in der Schülerschaft beschäftigen sich mit der Frage des freiwilligen Wehrdienstes, zu dem die Bundesregierung aktuell Erhebungen macht.
Josef Blotz, General a.D., stellte am 28.04. 2026 in seinem Vortrag die Frage, ob man überhaupt Soldat sein könne, ohne gleichzeitig Christ zu sein. Ebenso wurde deutlich, dass Soldaten im Auftrag der demokratisch gewählten Regierung agieren, also stellvertretend für uns an allererster Stelle einen Verteidigungs- und Schutzauftrag haben. In der Fragerunde am Abend war u.a. besonders der Gedanke interessant ob man in solch einer hierarchischen Struktur wie dem Militär mit seinen Befehlsketten und der Vorgabe des Gehorsams überhaupt als Einzelner seinem Gewissen folgen kann.
Karl Theodor zu Guttenberg erinnerte in seinem Beitrag am 02.06.2026 an das berühmte Zitat des Astronauten Jim Lovell aus dem Jahr 1970: "Houston, we´ve had a problem". Es ging also nicht darum, ein Problem nur festzustellen, sondern darum, eine Herausforderung angenommen zu haben (…Houston, wir haben ein Problem gehabt). Lösungsorientiertes Denken und Handeln sah zu Guttenberg dann auch als zwingend notwendig in Bezug auf die europäische Politik angesichts der dynamischen geopolitischen Weltlage. Besonders zum Thema der künstlichen Intelligenz zeigte er auf, welches enorme Potential in allen Bereichen der Gesellschaft zu erwarten ist und welche Chancen vor allem im Dialog mit der jungen Generation liegen. Schulleiter Andreas Päßler äußerte sich abschließend optimistisch, dass zu Guttenberg am folgenden Morgen die Herausforderung meistern werde, ebenfalls unsere Oberstufe für diese Gedanken zum Thema “Eine neue Welt(un)ordnung? Auswirkungen auf die jüngere Generation” zu interessieren.
WN