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St.-Bernhard-Gymnasium

Geschichte der Schule

Die Villa

Will man in die Vergangenheit der Schule "St. Bernhard" zurückblicken, so bietet sich natürlich als erstes markantes Datum der 15. Oktober 1946 an: Die Missionsschule der Hünfelder Oblaten wurde eröffnet. Ein Ereignis, dessen 40-jährige Wiederkehr wir in diesem Jahr feiern und das diese Jubiläumsschrift ins Leben rief.

Eine Geschichte der Institution Schule wäre jedoch unvollständig, wollte man sie nicht auch als Geschichte der Gebäude und der Gesamtanlage begreifen. Damit werden dann auch das Handeln und Erleben der Menschen, die hier planten und arbeiteten, in die Geschichte einbezogen.

Ausgangspunkt und Kernstück von "St. Bernhard" war die Villa, die noch heute ihren architektonischen Reiz einer vergangenen Zeit im Kontrast zu den sie umgebenden modernen Schulgebäuden bezieht. Bis heute besitzt sie ihre zentrale Funktion als Sitz der Finanzverwaltung der Schule. Ihre Entstehungszeit weist eine längst vergangene Epoche deutscher Geschichte, in die des wilhelminischen Zeitalters - auch Deutsches Kaiserreich genannt - zurück. Kurz vor der Jahrhundertwende ließ der Seidenfabrikant Albert Oetker, dessen Titel "Commerzienrat" den sozialen Abstand zum Normalbürger verdeutlichte, den Bau als Sommersitz neben seiner Fabrik errichten. Im typischen Stil der Zeit - ein Kennzeichen: die weite Halle mit Kamin und großem bunten Glasfenster - sollte die Villa - "Haus Niederheide" genannt - Einfluss und Reichtum eines Unternehmers sichtbar machen. Der Park, durch einen französischen Gartenbauarchitekten angelegt, umschloss das Gebäude und repräsentierte in seiner Weitläufigkeit und in seinem teilweise exotischen Charakter ebenfalls die Position des wilhelminischen Unternehmers. Alte Fotos zeigen die beeindruckende Schönheit dieser Parkanlage. Selbst heute, da ein Großteil der Fläche den Schulneubauten weichen musste, kann man sich der Wirkung dieses natürlichen Rahmens, der unsere Schule umgibt, nicht entziehen. (Vgl. hierzu auch den einleitenden Artikel in der Abiturzeitung von 1986.)

Der Übergang vom Kaiserreich zur Weimarer Republik blieb ohne Folgen für das Haus. Erst in der Zeit der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft wandelten sich mit dem Kauf des Geländes durch die NSDAP im Jahre 1936 Aussehen und Funktion des Gebäudes. Der Anbau des Treppenhauses, Ausbau des Dachgeschosses waren Kennzeichen des Funktionswandels: der Unternehmersitz wurde zur Gauschule der NSDAP: in mehrwöchigen Lehrgängen wurden Beamte ideologisch auf Parteilinie und NS-Gedankengut ausgerichtet. Während des 2. Weltkrieges wurden die Lehrgänge eingestellt, das Haus diente zunächst zur Aufnahme des weiblichen Arbeitsdienstes, gegen Ende des Krieges war deutsches Militär einquartiert.

Lange vor dem Ende des Hitler-Regimes - 8. Mai 1945 als Tag der Kapitulation / Tag der Befreiung - ging für Schiefbahn der Krieg zu Ende. Im Zuge des amerikanischen Vorstoßes aus dem Aachener Raum zum Rhein wurde Schiefbahn zum Schauplatz von Kriegshandlungen.

Am 2. März 1945 war Schiefbahn - und somit auch die ehemalige Gauschule -in amerikanischer Hand. Das Gebäude selbst hatte die Luftangriffe unversehrt überstanden. Eine Luftmine, die gegen Ende des Krieges hinter dem Haus niederging, riss zwar eine große Lücke in den Park, am Gebäude selbst gingen jedoch nur Fensterscheiben zu Bruch.

Die Missionsschule
Wie die Geschichte des Hauses sich mit den Oblaten verband, ist einem Zusammentreffen von mehreren Zufällen zu verdanken. Das Ende des Krieges war natürlich die entscheidende Voraussetzung. Aufgrund alliierter Vereinbarungen ging der Raum Schiefbahn in britische Militärhoheit über. Villa und Park wurden jedoch nicht genutzt. Den Anstoß gab ein Willicher Apotheker namens Schmitz, ein ehemaliger Oblatenschüler, der seinen damaligen Lehrer - Pater Mehren - auf die Villa und den Park hinwies. Damit entschied also ein persönliches Motiv eines einzelnen den weiteren Gang der Ereignisse.

Pater Mehren, als Kaplan in Lürrip tätig, wollte zudem seit längerem einem Gelübde einer Bürgerin entsprechen (1943), in diesem Raum eine Kapelle bzw. ein Kloster zu gründen. Diese Bürgerin hatte auch den finanziellen Grundstock - DM 25.000,— - im Rahmen einer Stiftung gesetzt. Nachdem Herr Schmitz weitere Unterstützung zugesagt hatte, begann Pater Mehren auf eigene Faust - der Orden war anfangs noch nicht in diesen Plan einbezogen - mit der britischen Militärbehörde zu verhandeln. In den langwierigen Verhandlungen gab schließlich die Begründung den Ausschlag, dass die Bevölkerung hier ein Zentrum für die Seelsorge benötigte. Der Kaufvertrag kam, nicht zuletzt infolge des unermüdlichen Einsatzes von Pater Mehren schließlich zustande; es konnte begonnen werden.

Da waren zunächst Aufräum- und Wiederherstellungsarbeiten zu leisten: auch wenn die Villa äußerlich den Krieg unversehrt überstanden hatte, so waren im Innern die Räume in einem Zustand der Verwüstung als Ergebnis von Plünderungen seitens der Bevölkerung. Als Motiv gibt der Chronist die "Volksrache am Nazigut" an.

Die Arbeiten im Haus und im Park werden in der Chronik in allen Details beschrieben und legen somit Zeugnis ab vom Aufbauwillen der Ordensleute. Der Orden der Hünfelder Oblaten (OMI: Oblati Mariae Immaculatae, zu deutsch: Geweihte der makellosen Gottesmutter Maria) trug sich von Anfang an mit dem Gedanken, hier eine Schule zu errichten. Die Oblaten, die ihre Aufgabe traditionell in der Seelsorge und Volksbildung sehen - für diese Zielsetzung steht der Begriff "Mission" - dachten dabei zunächst nur an eine Schule für ihren Ordensnachwuchs.

Pater Mehren - der erste Chronist und zugleich Superior - ging tatkräftig ans Werk. Am 1.9.45 karrte er auf einem Leiterwagen Bett, Ofen, Kuchensehrank, Tisch und Bank aufs Gelände: es war der Versuch, die Villa wieder bewohnbar zu machen.
Der erste Gottesdienst in der neu eingerichteten Kapelle in der ehemaligen Gauschule sollte einerseits als "Sühne für das vorher Geschehene" (Missachtung christlicher Denkweise und christlichen Glaubens durch den Nationalsozialismus) , aber auch als symbolischer Akt für den Neubeginn verstanden werden.

Wie bekannt, zeigte sich auch in anderen Bereichen ein Hoffnungsschimmer: das Entstehen einer demokratischen Ordnung, Teilhabe der Deutschen an politischen Entscheidungen, zunächst auf kommunaler, dann auf Länderebene (bis 1946 geschehen).

Es gab jedoch auch Rückschläge. Die Ordensleute, von vielen Seiten tatkräftig und materiell unterstützt, mussten sich in der Anfangsphase über sich häufende Diebstähle beklagen. Es gelang jedoch, innerhalb eines Jahres trotz Schwierigkeiten verschiedener Art (z.B. Ernährungsengpässe) die materiellen und organisatorischen Voraussetzungen für einen Schulbetrieb sicherzustellen.

Ein ehemaliger Schießstand im Park wurde zum Klassenraum umgebaut, die benachbarte Seidenfabrik stellte Tische und Bänke zur Verfügung. Ein Provisorium - aber am 15.10.1946 öffnete die "Missionsschule St. Bernhard" als Internat ihre Tore. Das Datum sollte an die Gründung der Nachwuchsschule St. Karl in Valkenburg (Niederlande) erinnern (15.10.1885), von dort aus gingen die Oblaten nach Deutschland. Der Krieg hatte diese Verbindung abgeschnitten, so dass Schiefbahn als Ersatz und bewusste Weiterführung von St. Karl bestimmt wurde.

Der Name St. Bernhard wurde gewählt aus Dankbarkeit gegenüber dem damaligen Pfarrer Bernhard Nicolini von Schiefbahn, der sich intensiv dafür eingesetzt hatte, dass die Oblaten nach Schiefbahn kamen.

Die Chronik berichtet über die Ankunft der ersten 21 Sextaner:
"Gegen Mittag stand das Lastauto von Burlo (....) an der breiten Aufgangstreppe, die vom großen Einfahrtsweg zum Vorplatz des Hauses führt. Froh kletterten die 21 kleinen Sextaner aus dem Wagen."

Die Schwesterschule Burlo hatte Schiefbahn gewissermaßen als Entwicklungshilfe eine ganze Klasse überlassen, da St. Bernhard aus dem Stand noch nicht in der Lage war, mit einer genügenden Anzahl von Schülern zu beginnen.

Drei Tage später, am 18.10.1946 wurde die erste Unterrichtsstunde erteilt. Anfangs unterrichteten ausschließlich Patres unter der Gesamtleitung von Pater Schwarz.
In den folgenden Jahren wuchs die Schülerzahl, so dass die Räumlichkeiten nicht mehr ausreichten und im Jahre 1948 beispielsweise die Quinta nach Burlo übersiedeln musste. Mit Beginn des Schuljahres 1952/53 lebten hier 55 Schüler.

Vom Progymnasium zum Gymnasium

Für die weitere Entwicklung von "St. Bernhard" war der Beschluss der Ordensleitung zu Beginn des Jahres 1953 richtungsweisend, die Missionsschule zu einem Progymnasium - also bis zur Klasse 10 - zu erweitern. Die vorläufige Genehmigung durch den Kultusminister wurde im August 1953 erteilt, mit der Maßgabe, dass Schulneubauten errichtet werden und, dass staatlich anerkannte Lehrer in ausreichender Zahl vorhanden sind.

Den Neubau plante Architekt Kampshoff (aus Gemen bei Borken), die Realisierung lag in der Hand einer Baukolonne, die ausschließlich aus Oblaten bestand. Das Ausschachten und Hochziehen der Gebäude seit Juni 1953 hatte natürlich auch Konsequenzen für die Parkanlage: Grünflächen und Bäume mussten zu Gunsten der von allen begrüßten neuen Zielsetzung weichen. Es ist jedoch gelungen, das baulich Notwendige harmonisch in die Landschaft einzupassen. Als die neuen Schulgebäude standen (zunächst die heutige Schule I, dann die Schule 4) erteilte das Kultusministerium im März 1960 die "endgültige Anerkennung als altsprachliches privates Progymnasium". Damit verlor "St. Bernhard" auch den Charakter und die Funktion einer reinen Missions- bzw. Ordensnachwuchsschule: die Öffnung nach außen hatte begonnen.

Gleichwohl war der Bau der Kirche im Jahre 1961 Zeichen für die Weiterführung der Glaubensarbeit. Die Kirche wurde integraler Bestandteil der Gesamtanlage. Die Zeltform der Kirche - Symbol für das Verständnis christlicher Arbeit - galt als das "originellste und kühnste Neubauprojekt der näheren und weiteren Umgebung".
Ohne wesentliche Steigerung pendelte sich die Schülerzahl von 1962 bis 1965 auf eine Größenordnung von ca. 170 ein.

Parallel mit dem Ende der politischen und wirtschaftlichen Aufbruchszeit -Ende der Adenauer- / Erhard-Ära in der Bundesrepublik - war auch für die Schule die erste Aufbauphase abgeschlossen. Doch von einer Stagnation oder gar Rezession im schuldemographischen Sinne konnte nicht die Rede sein.

Ab 1965 wuchsen die Gemeinden im Raum Willich zum Ballungszentrum zwischen Krefeld, Düsseldorf und Mönchengladbach zusammen. Der Anstoß, die Schule als Bildungsstätte durch Umwandlung in ein Vollgymnasium aufzuwerten und damit auch den Raum Willich für Neuansiedler attraktiver zu machen, ging von der verantwortlichen Politikern der Gemeinde Schiefbahn aus. Hinzu kamen Pläne der Landesregierung, die bestehenden Progymnasien entweder aufzustocken oder aufzulösen.

Der Orden seinerseits sah in der Aufstockung eine Möglichkeit und auch Notwendigkeit, christliche Bildungsziele im Rahmen weltoffener, liberaler Inhalte bis zum gymnasialen Schulabschluss weiterzutragen.

Hier bildeten sich bereits die grundlegenden Gedanken eines neuen Erziehungsverständnisses heraus, das 1976 in der überarbeiteten "Schulordnung" so formuliert werden sollte:"Das St. Bernhard-Gymnasium versteht sich als christliche Schule in einer pluralistischen, demokratischen Gesellschaft. (...) In der gegenwärtigen Situation muss der kritischmündigen Selbstbestimmung des Einzelnen gegenüber seiner Funktionstüchtigkeit Vorrang eingeräumt werden. (...) Die auf die Zukunft hin orientierte christliche Botschaft über die Menschen - Liebe, Friede, Gerechtigkeit -verändert die Gegenwart und fordert besondere Anstrengungen zur gezielten Hilfe für sozial-, familiär- oder milieubedingt benachteiligte Schüler."

1967 gründete Pater Nordt den Frankreich-Austausch, der seitdem eng mit der Arbeit am St. Bernhard-Gymnasium verbunden ist - als Bildungsangebot und Beitrag zur Völkerverständigung. Auch dies kann man als Symptom für die "Öffnung nach außen" ansehen.

Nachdem die Finanzierungsfrage zwischen Orden, Stadt und Land geregelt, die organisatorisch-didaktischen Voraussetzungen geklärt und vom Schulkollegium bestätigt waren, stand einem weiteren Ausbau der Schule (in ihrem neusprachlichen Zweig und in der Oberstufe) nichts mehr im Wege.

Das Gymnasium

Im 2. Quartal des Jahres 1968 begannen die Arbeiten für den Neubau (Schule 2). Eine steigende Schülerzahl und die begrenzte Aufnahmekapazität umliegender Gymnasien sind als Gründe anzusehen. Die "Rheinische Post" meldete am 13.4.1968 begeistert: "Große Pläne werden neu verwirklicht".

Das Schuljahr 1968/69 wurde erstmals als Vollgymnasium begonnen. Pater Kubitza löste Pater Schwarz als Schulleiter ab, der aus gesundheitlichen Gründen von seinem Amt zurücktrat.

Die Schülerzahl betrug 268. Davon waren nur noch 113 Interne. Man sieht, dass der Trend von der Internatsschule zu einer "weltoffenen Anstalt" (RP vom 24.9.71) sich immer deutlicher zeigte. In diesem Zusammenhang ist auch das Erscheinen einer neuen Schülerzeitung "Kontakte" zu sehen, die den "St. Bernhard-Funk" - eine Zeitung, die redaktionell stärker vom Internat geprägt war - zu Beginn des Jahblöste.

Das Interesse am weiteren Gedeihen der Schule zeigte sich nicht zuletzt in der Gründung des Fördervereins, ebenfalls zu Beginnres 1969 a des Jahres 1969. Die Mitglieder setzten sich zum Ziele, Bildungsvorhaben innerhalb und außerhalb des Unterrichts finanziell zu unterstützen. Als Beispiele seien hier Ausgaben für die Schülerbücherei oder auch für das Orchester genannt.

Als weitere Erscheinung, dass ein größerer Kreis die Verantwortung an den Bildungsaufgaben teilt, ist in diesem Zusammenhang die SMV (Schülermitverwaltung) - heute: SV - zu sehen, die in jenen Jahren der Studentenbewegung auftrat. Ihrem Anspruch und ihrer Rolle, Schulleben und -arbeit mitzugestalten, wollte sie u.a. durch Förderung der politischen, kulturellen, sozialen, fachlichen und sportlichen Interessen der Schüler gerecht werden. (Vgl. Jubiläumsschrift zum 25 -jährigen Bestehen der Schule).

Zu Beginn des Schuljahres 1971/72 sah der damalige Betrachter ein ungewohntes Bild, was die Zusammensetzung der Schülerschaft - mittlerweile auf 420 angestiegen - anbelangte: zum ersten Male waren Mädchen darunter: auch das ein Symptom der Veränderung an St. Bernhard.

1970 verließen die ersten Schüler als Abiturienten das Gymnasium, 1971 fand das letzte altsprachliche Abitur statt.

Mit dem Jubiläumsjahr 1971 (Silbernes Jubiläum) konnte man somit insgesamt das Erwachsenwerden / -sein der ehemaligen Klosterschule feststellen und natürlich auch feiern. Das heißt, dass die Grundprinzipien christlicher Bildungsarbeit und Lebensgestaltung weiterhin zentrale Bedeutung besaßen, aber auch genügend Raum für Wandlungen und Zeitströmungen ließen. Oder, wie es in einem zeitgenössischen Artikel (RP vom 24.9.71) heißt:

"Das Klischee einer abgeschiedenen Klosterschule trifft auf das St. Bernhard-Gymnasium nicht zu. Schulleitung und Lehrerkollegium haben längst den Durchbruch zur modernen, weltoffenen Lehranstalt vollzogen. Auch die Zukunft lässt erwarten, dass diese Entwicklung weitergehen wird."

Es lassen sich wohl keine direkten Zusammenhänge zwischen den Veränderungen in der Bundesrepublik Ende der 60-er Jahre und denen unserer Schule nachweisen. Man denke an die Studentenbewegung, die außerparlamentarische Opposition (APO), die z.B. die starre, konservative Autoritätsgläubigkeit aufbrach, die sozial-liberale Koalition, die mit der politischen Leitidee "Mehr Demokratie wagen!" antrat. Tastende Fernwirkungen bis nach St. Bernhard lassen sich anhand seiner Entwicklung erahnen. Ein Beleg könnte ein Passus im Festvortrag sein, den der Sohn des damaligen Direktors der Verseidag - Professor in Ulm - zum 25-jährigen Schuljubiläum hielt: Die Schule solle "ein Forum geistiger Auseinandersetzung und nicht Arena geistiger Agitation" sein. Ein Hinweis auf Veränderungen an St. Bernhard oder ein Appell, es nicht soweit kommen zu lassen?

Noch im gleichen Jahr ging es weiter mit dem zweiten Trakt des Schulneubaus (heute Schule 3), der Richtkranz hing ein Jahr später. Die Worte des Schulleiters Pater Kubitza bei den Jubiläumsfeierlichkeiten - "Das Jubiläum sei keineswegs eine Alterserscheinung, (...) da das Gymnasium sich noch im inneren und äußeren Aufbau befinde." ("Westdeutsche Zeitung" (im Oktober 1971) - erhielten damit ihre Bestätigung.

Der erhebliche Mangel an Englischlehrern zu Beginn der 70-er Jahre führte dazu, dass das St. Bernhard-Gymnasium im Schuljahr 1971/1972 auf Vermittlung des British Centre einen erfahrenen Kollegen aus England beschäftige: Mr Roy H. Gladwin aus Chelmsford in Essex.

Mr Gladwin, der für seine Tätigkeit am St. Bernhard-Gymnasium für ein Jahr von seiner Schule in England beurlaubt worden war, lud im Frühjahr 1972 Schüler des St. Bernhard-Gymnasiums zu einem Besuch der Sandon School in Chelmsford ein und vereinbarte mit Herrn Schlöder den Aufbau eines dauerhaften Schüleraustausches zwischen St. Bernhard und der Sandon School.

Über 10 Jahre lang fuhren nun unsere Schüler nach England und nahmen ihrerseits englische Gäste auf, bis aufgrund personeller Veränderungen an der englischen Partnerschule der Austausch im Jahre 1984 eingestellt werden musste. Alle Mitglieder der Fachgruppe Englisch - einschließlich des Schulleiters - haben während der vielen Jahre abwechselnd den Austausch organisiert und durchgeführt.

Das neue Schuljahr 73/74 sah fast 200 Schüler mehr - 614 -. Anlässlich der symbolischen Schlüsselübergabe durch den Architekten Herrn Samland (Schiefbahn) fand erstmalig ein "Tag der offenen Tür" statt: Im Mittelpunkt stand natürlich als Attraktion der neue Bau mit seinen modernen technischen Möglichkeiten. Die "Westdeutsche Zeitung" schwelgte nach der Besichtigung im September 1973:

"Ein Physiklabor - Physikraum wäre untertrieben; die Schüler können hier sogar Musik mittels Laserstrahlen übertragen; (...) ein Technikraum, wo Lehrer und Schüler drucken und kopieren können."

Die fast sprunghafte Steigerung der Schülerzahl auf 806 im nächsten und auf 905 zwei Jahre später bestätigt die bisherige Entscheidung, das St. Bernhard-Gymnasium zu erweitern und noch einen weiteren Neubau zu wagen. Im Mai 1975 begannen die Arbeiten an Schule 5.

Parallel hierzu begann die von der Kultusministerkonferenz beschlossene "Oberstufenreform" mit Beginn des Schuljahres 1975/76 auch an unserer Schule. Stichworte sollen genügen, um den bildungspolitischen und bildungsorganisatorischen Wandel zu markieren: Auflösung der Klassenverbände, eine gewisse Freiheit in der Fächerwahl durch den Schüler, Hinwendung zu einer fachlichen Spezialisierung, grundsätzliche Gleichwertigkeit aller Fächer.

Eine neue Schülerzeitung löste 1976 die "Info" ab - die ihrerseits 1974 anstelle der "Kontakte" erschienen war. Also auch hier ein kleines Jubiläum, das die "Druckmaschine" feiern kann. Sie hielt sich immerhin 10 Jahre, wenn auch nicht immer in bester Kondition, behauptete sich gegenüber einem Konkurrenzblattversuch.

Der Leitartikel der ersten Ausgabe beschäftigte sich mit dem rapiden Anwachsen der Schülerzahl, sah darin Gefahrenmomente wie steigende Unpersönlichkeit im Lehrer-Schüler-Verhältnis, fehlendes Engagement unter Schülern. Dem wolle man durch eine neue Schülerzeitung entgegenwirken. Ein hoher Anspruch, der unabhängig von seiner Realisierung beweist, dass ein Wille zur Veränderung und zur Neuorientierung da war.

Zeitgleich mit dem Erscheinen einer neuen Schülerzeitung ging an St. Bernhard eine Ära zu Ende, die trotz aller Öffnung nach außen ein Stück Kontinuität verkörperte: das Internat. Eng verknüpft mit der Entstehungsgeschichte der Schule, ja teilweise nur die andere Seite der Medaille St. Bernhard, war es die Lebensform der Schüler: Leben und Lernen in Gemeinschaft an einem Ort. Darüber hinaus verband das Internat als "Kommunikationszentrum" (vgl. Schulordnung) den Freizeit- und Lernbereich. Da es jedoch schon lange nicht mehr die Hauptaufgabe von St. Bernhard war, Priesternachwuchs heranzubilden, und zudem allerorten inzwischen neue Gymnasien entstanden waren, entfiel die Notwendigkeit, Schüler aus dem engeren und weiteren regionalen Umkreis an ein Haus zu binden. Auch wenn die Organisationsform Internat sich im Laufe des Schuljahres 76/77 auflöste, so wirkten doch die grundlegenden Prinzipien, die das Beziehungsdreieck Schulträger - Lehrer - Schüler bestimmen, auch weiterhin nach. Als "Modell des mitmenschlichen Zusammenlebens auf der Basis des Miteinander-Redens und des gegenseitigen Tolerierens und Verstehens" ("Druckmaschine" 2/76) blieb es auch weiterhin erhalten und bildete damit die Säule des typischen Charakters dieser Schule. Die "besondere Prägung".
festgehalten in der "Schulordnung" aus dem Jahre 1976 (also noch während der Internatszeit), sollte eben der Unterschied , die Alternative zur staatlichen Regelschule markieren:

"Der christliche Fragehorizont soll das gesamte Schulleben und den Unterricht umgreifen, indem die weltanschauliche Verhaftung der einzelnen Fächer durchsichtig gemacht wird. Doch darf dies nie zur einseitigen Beeinflussung und zur grundsätzlichen Besserwisserei und damit zur Intoleranz führen. Der Glaube kann im Alltag gesellschaftlicher Auseinandersetzungen nur als redliche, begründete, bewusste Haltung gelebt werden."

Dieser besondere Geist an St. Bernhard - immer wieder beschworen, manchmal auch verzweifelt gesucht - prägt bis heute die grundsätzlichen pädagogischen Entscheidungen.

Die heutigen Schülertreffpunkte wie Bar, Teestube, Küche, die den äußeren Rahmen für eine Reihe von Veranstaltungen, Aktivitäten bilden, sind gewissermaßen die letzten - sichtbaren - "Denkmäler" des damaligen Internats.

Mit der Fertigstellung des letzten Neubaus (Schule 5) im Jahre 77/78 erhielt das St. Bernhard-Gymnasium wohl seine baulich endgültige Form. Damit war auch in etwa eine Grenze für das weitere Wachsen der Schüler- und Lehrerzahl abgesteckt.

Eine Schule mit besonderer Prägung

Mit dem Schuljahresende 77/78 - die Schülerzahl betrug ca. 1000 - fand ein Wechsel in der Schulleitung statt. Der bisherige Schulleiter Pater Kubitza übernahm das Gymnasium in Burlo / Westfalen, Pater Große-Venhaus trat die Nachfolge an. Damit war auch personell der Abschluss der Aufbauphase signalisiert. Unter der Leitung von Pater Kubitza - über eine Dauer von 10 Jahren - hatte das Gymnasium entscheidende Entwicklungen vollzogen, im Äußeren (Bautätigkeit, rapides Wachsen der Schülerzahl) wie im Inneren / Ideellen (von der Missionsschule zum christlich-liberalen, weltoffenen Gymnasium).       

Der Tag der offenen Tür (September 1978) verdeutlichte mit seinen Unterrichtsvorführungen und sonstigen Aktionen das bisher Erreichte. Die Leistungen, die Schüler und Lehrer bis dahin erbracht hatten, zeigten sich u.a. besonders im Bereich Musik. Eine Langspielplatte mit dem betont einfach-sachlichen Titel "St. - Bernhard-Gymnasium Willich - Schiefbahn", die im Mai 1978 produziert worden war, wurde an diesem Tag zum Verkauf angeboten. Das Musikleben in St. - Bernhard gelangte mit dieser Platte, die unter Federführung/Taktstockführung von Pater Gabele das Schulorchester und den Chor mit religiösen und folkloristischen Musikbeiträgen vorstellte, jedoch nicht zum ersten Mal ins Blickfeld der Öffentlichkeit. Pater Gabele setzte seit 1970 eine musische Tradition fort, die unter Pater Nordt mit der Klosterschule und dem Gymnasium seit jeher verbunden war. Hausmusikabende, Konzerte in der Kirche und in der Kulturhalle stellten die musikalischen Qualitäten aller Beteiligten unter Beweis. Zeitgenössische Schlagzeilen als Kommentare zu den Konzerten aus WZ und RP mögen dies belegen: "In farbiger Vielfalt", "Mit großem Klangreichtum", "Reichtum aus Jahrhunderten".

Die Zeit nach 1978 - was kennzeichnet sie? Die Schülerzahlen bewegten sich 1986 um einen Mittelwert (1150), so dass ein äußeres Zeichen der Veränderung entfiel. Wandlungen fanden trotzdem statt. Seit der Mitte der 70-er Jahre wurde ein verstärktes Engagement der Schüler sichtbar, ein Engagement, das bewusst die räumlichen Grenzen von St.- Bernhard sprengte. Interessengemeinschaften und Arbeitskreise (Integration von Behinderten, Partnerschaft mit einer Schule in Kimberley/Südafrika, Dritte Welt) wiesen die enge Verzahnung von christlicher und politischer Verantwortung auf. Auch dies ein wesentlicher Grundzug der "besonderen Prägung", wie sie sich in der Schulordnung niederschlägt.

Seit 1977 lässt sich in den Ausgaben der "Druckmaschine" eine Tendenz feststellen, verstärkt politische Themen aufzugreifen und - teilweise sehr kontrovers - zu diskutieren. Zwangsläufig gerieten dadurch die rein schulischen, die kleinen Geschichten aus dem Schüleralltag in den Hintergrund.

Als Themenbeispiele seien hier genannt: Berufsverbote, Drogenproblem, klare parteipolitische Stellungnahmen, Friedensbewegung.

Die mehrmals hintereinander stattfindenden "Tage der politischen Bildung" galten wohl als Versuch, Politik und politisches Bewusstsein auch außerhalb des geregelten Unterrichts zu thematisieren und zu aktivieren. 1982 lautete das Rahmenthema "Frieden"; der Widerhall war zwiespältig: Bei einem Teil der Schülerschaft gewann der "Tag der politischen Bildung" den Charakter eines "unterrichtsfreien Tages".

Auf der anderen Seite zeigte sich aber auch eine gewisse politische Polarisierung innerhalb der Schüler. Als Beispiel sei der 20.10.1983 genannt, ein Tag, der von den Gewerkschaften zum "Friedenstag" ausgerufen worden war. Schüler und Lehrer, die sich während der großen Pause auf dem Schulhof zusammenfanden, rückten damit auch für St.-Bernhard dieses Thema ins Bewusstsein. Diese Aktion war einer der Anlässe für das Entstehen einer Gegenzeitung zur "Druckmaschine". Beide Zeitungen lieferten sich über mehrere Ausgaben eine politische "Fehde" - die man grob vereinfacht und nur bedingt in das Schema einer Links-Rechts-Auseinandersetzung pressen kann. Diese Auseinandersetzung könnte man als Symptom einer politischen Polarisierung fassen, die im kleinen vielleicht die gesamtpolitische Kontroverse - Wechsel von der sozial-liberalen zur konservativ-liberalen Koalition zu Beginn der 80-er Jahre - widerspiegelte.

Die Enttäuschung darüber, dass die Hoffnungen, die die Organisatoren in die "Tage der politischen Bildung" gesetzt hatten, sich nicht erfüllten, führte im Jahre 1983 zu einem anderen Konzept des Lernens und Erfahrens außerhalb des Unterrichts: die an vielen Schulen bereits praktizierten "Projekttage" fanden 1983 zum ersten Mal statt. Da sie thematisch nicht gebunden sind, bieten sie für jeden etwas, Möglichkeiten, sich in den letzten Tagen vor den Ferien im Rahmen eigener Interessen und individueller Neugier zu aktivieren. Beispiel: die künstlerische Kennzeichnung der einzelnen Gebäude.

Ebenfalls im Rahmen der Projekttage wurde die Idee geboren, eine Big Band des St.-Bernhard-Gymnasiums zu gründen. "Bernie's Big Band" - wie sie sich nennt - erklomm seit 1984 die musikalische Erfolgsleiter. Damit ist ein weiteres Stück der Kontinuität im musischen Bereich zu verzeichnen.

Seit 1984 gibt es einen weiteren Anlaufpunkt für Schüler. Ein eigens eingestellter Freizeitpädagoge entwickelt Angebote, koordiniert Aktivitäten: das "Freizeit-Cafe" ist seitdem eine ständige Einrichtung am St.- Bernhard-Gymnasium. Auch in diesem Punkt schlägt sich das grundlegende Ziel des Internatsgedankens nieder.

Äußere Veränderungen lassen sich nur in Einzelheiten ausmachen, die aber gleichwohl wichtig sind. September 1983: Erweiterung der Sportanlagen. Als notwendig erwiesen sich Reparaturarbeiten an Kirche und Villa: saurer Regen hatte Betonteile angegriffen. Der neue Fassadenanstrich der Villa hob deren architektonischen Charakter als Farbtupfer in der Landschaft wieder hervor. Die Zeder neben dem Plattenhof, die unter Naturschutz steht, musste saniert werden: morsche und faule Teile wurden herausgeschnitten, die tragenden Äste durch Seile miteinander verbunden. Leider zerstörte ein orkanartiger Sturm im Januar 86 das harmonische Gesamtbild des Baumes. Angeschlagen, aber nicht entwurzelt.

Zeit der Unruhe und der Wechsel

1986 konnte das St. Bernhard-Gymnasium im Rahmen der Jubiläumsfeierlichkeiten stolz auf seine Vergangenheit zurückblicken. Es verkörperte ein Stück Kontinuität im Raum Willich. Pater Große-Venhaus sprach in seinem Vorwort zur Festschrift von 1986 den Symbolgehalt der Zahl 40 an: „ eine Zeit der Erprobung, des Sich-Findens, der Vorbereitung."

Gleichwohl bahnten sich Veränderungen von noch nicht abzusehender Tragweite an. Gab es 1986 noch unbestimmte Vermutungen und Hinweise, daß der Orden sich von der Trägerschaft zurückziehen würde, so wurde im Juli 1987 bekannt, daß weite Teile von St. Bernhard über eine private Maklergesellschaft zum Verkauf anstünden. Vorausgegangen waren Verhandlungen zwischen Orden und der Stadt hinsichtlich einer Übernahme der Trägerschaft, die jedoch aufgrund unterschiedlicher finanzieller Vorstellungen scheiterten. Das Echo in Presse und Öffentlichkeit schwankte zwischen Empörung über die Dominanz finanzieller Erwägungen und Angst um den Bestand der Schule. Unruhe und Bestürzung innerhalb der Schüler-, Elternschaft und des Kollegiums mündeten in einen Protestmarsch zum Neersener Schloß - wohl ein einmaliger Vorgang in der Geschichte Willichs. Der - trotz markiger Transparente -friedliche Demonstrationszug spiegelte etwas vom Geist des St. Bernhard-Gymnasium wider: die Solidarität zwischen Schülern, Eltern, Kollegen und Direktor, wenn es um zentrale Fragen des pädagogischen Auftrags und um das Miteinander ging. Die Versammelten traten mit einer gewissen Beruhigung den Rückweg zur Schule an, nachdem der Stadtkämmerer vom Balkon des Schlosses aus versichert hatte, dass das Gymnasium von der Stadt übernommen werde, falls der Orden sich zurückziehe und sich kein anderer Träger finde. Als im Verlauf der nächsten Monate klar wurde, dass der Orden die Trägerschaft auch nach dem Weggang der Patres (1993) behalten, würde, festigte sich die Zuversicht, dass ein „geordnetes Lernen" (Appell des Lehrerrats) weiterhin möglich sei.

Politisches Lernen rückte 1988 in den Mittelpunkt, als der 50. Jahrestag der Pogromnacht von 1938 sich näherte. Ziel der Vorbereitungsgruppe war es, diesen Jahrestag in würdiger und angemessener Form zu begehen. Es begann am Abend des 9.11.88 mit dem Musical „Mensch gegen Mensch" von Edelkötter/Poeplau, wurde am nächsten Tag fortgesetzt mit einem Gedenkgottesdienst, einer Dichterlesung, einer Fotoausstellung, Gesprächen mit Zeitzeugen. Die Enthüllung des Mahnmals „Gegen Terror und Gewalt" vor Gebäude 2/3 beschloss den Gedenktag.

In sachlichem und zeitlichem Zusammenhang mit diesem Gedenktag stand wohl auch die Gründung einer Amnesty-International-Gruppe an unserer Schule. Den aktuellen Anlass waren die Studentenunruhen in China. Mit Unterschriftslisten, mit Benefizkonzerten in Kooperation mit der Big Band und den Schülerbands versuchte die Gruppe, auf das Problem staatlicher Gewaltanwendung hinzuweisen und Spenden für die Opfer zu sammeln.

Das Jahr 1993 (Weggang der Patres) rückte, für alle sieht- und greifbar, immer näher. Die Planungen der Stadt für die Übernahme des ehemaligen Klostergebäudes inklusive Speiseraum und Kirche nahmen konkrete Formen an. Als „Kultur- und Begegnungszentrum" - 1991 anvisiert -sollte es das Archiv, die Bücherei sowie einen Konzert- und Ausstellungsraum aufnehmen - eine Idee, die die Bildungstradition von St.-Bernhard angemessen berücksichtigte. Ein Gutachten wies die Räumlichkeiten als ideal für eine weitergehende Nutzung aus: Gastronomie im Keller- und Erdgeschoss, Aufteilung der Kirche in einen „kleinen" und „großen" Saal, variable Bühne. Im Zuge dieser Planung wurde die ehemalige Schreinerei am Sportplatz (vormals Klassenraum und Schießstand ) als Raum für Theateraufführungen , die vorher im Speiseraum stattfanden, umgebaut. Der Name „Kamps Pitter" erinnert an den ehemaligen Hausmeister unserer Schule Bruder Peter Kamps, der auch als Schreiner arbeitete.

Das Jahr 1990/91 könnte man als „Jahr des Austausches" bezeichnen. Partnerschaften mit Schulen in Premnitz (Brandenburg), Panningen (Holland) sowie Hasselt (Belgien) wurden vereinbart. Es kam zu einem intensiven Informationsaustausch und zu einer Reihe von gegenseitigen Besuchen.

Mit dem Schuljahr 1992/93 neigte sich die Amtszeit von Pater Große-Venhaus dem Ende zu. Es ist das Ende einer Ära, die nicht nur bestimmt war durch die persönliche Glaubwürdigkeit des Direktors und der übrigen hier unterrichtenden Patres, durch den unermüdlichen Arbeitseinsatz der Brüder, sondern auch durch den Geist einer christlichen Liberalität, wie er in der Schulordnung seinen Ausdruck findet.

Der Wechsel
Der 23.08.1993: Der neue Direktor, Herr Schell, tritt sein Amt an: „Kommunikation ist für mich das Wichtigste, in jeder Form." (Willicher Nachrichten vom 20.10.93) Der Orden bleibt weiterhin Träger der Schule, ist aber im Kollegium nicht mehr durch einen Pater vertreten. Gleichwohl verkörpert der von Schülern und Lehrern gleichermaßen geschätzte Hausmeister, Bruder Ganser,, ein Stück Kontinuität zwischen Altem und Neuem. Pater Andreas Petith fungiert in der Rolle als Schulseelsorger und Bindeglied zwischen Schule und Orden. Nahezu unverändert bleibt die Schülerzahl, die sich um den Wert 1.100 bewegt. Die Villa, die seit der Verpachtung der ehemaligen Klostergebäude an die Stadt zum Wohnsitz der Ordensleute geworden war, sah nun neue Bewohner: das Hausmeisterehepaar Kappel, zuständig für die Villa und die Parkanlage; Pater Andreas erhielt hier seinen Arbeitsraum. Im Keller wurde das Schüler-Cafe - von Pater Andreas initiiert - eingerichtet. Die Eingangshalle dient noch heute offiziellen Empfängen. Weitere Mieter erfüllen das Haus mit Leben. Auch das Band zu unserer Patenschule St. Boniface in Kimberley/Südafrika bleibt geknüpft. Nicht nur der alljährliche Weihnachtsbaumverkauf, sondern auch der zum erstenmal 1994 stattfindende „Marsch für Gerechtigkeit" ermöglichten es St. Boniface, seine sozialen und bildungspolitischen Ziele zu realisieren. Die Schüler erwanderten einen Betrag von 36.304,- DM.

In unmittelbarer zeitlicher Nähe zum 50-jährigen Schuljubiläum fanden 1995 kurz vor Beginn der Sommerferien die Feierlichkeiten zum 100-jährigen Bestehen der Hünfelder Oblaten statt. Die Veranstaltungen - ein buntes Programm von Variete-Vorführungen, Musical und Theater, Schüler- und Lehrerband, Trödelmarkt -zeigten kreatives, lockeres und sinnvoll verzahntes Schulleben.

Januar/Februar 1996: St. Bernhard und der Weltraum? Eine anmaßende Frage? - Keineswegs! Unsere Amateurfunk-AG machte es möglich. In Verbindung mit der Forschungsanstalt für Luft- und Raumfahrttechnik in Oberpfaffenhofen wurde ein Gesprächstermin mit dem deutschen Astronauten Thomas Reiter, der in der russischen Raumstation „MIR" einen Forschungsauftrag ausführte, vereinbart. Die Resonanz auf diesen erfolgreichen Gesprächskontakt zwischen Schule und Weltraumkapsel bewegte sich zwischen Bewunderung über die faszinierenden technischen Möglichkeiten der Funk-AG und Anerkennung einer Teamleistung, die ohne Beharrlichkeit und Begeisterung nicht möglich gewesen wäre.

Dezember 1995: eine chinesische Delegation mit Vertretern aus den Bereichen Erziehung, Kultur und Wirtschaft besuchte das St. Bernhard-Gymnasium, um das deutsche Bildungssystem kennen zulernen und einen Austauschpartner für die North-East-Yu-Chai-Schule in Shenyang zu finden. Das Ergebnis war eine Kooperationsvereinbarung zwischen beiden Schulen - die Gegeneinladung nach China ist ausgesprochen.

Tendenz: Kommunikation, in die Ferne, auch angesichts der Tatsache, dass unsere Schule seit einiger Zeit an das Internet angeschlossen ist.
Es bleiben jedoch noch genug Aufgaben innerhalb des St. Bernhard-Horizonts. Beispielsweise: Wie können die Pläne verwirklicht werden, die Kirche mit der Schneekapelle, die im Frühjahr 1995 aus dem Pachtvertrag mit der Stadt herausgenommen wurde, zu einem „Forum" umzubauen, das für verschiedene Funktionen optimal genutzt werden kann? Jedenfalls haben unsere Schüler durch den „Marsch für das Forum" einen finanziellen Beitrag für die Umgestaltung der Kirche geleistet.

Autor: Walter Kaufmann

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Verfasser der Schulgeschichte:
Walter Kaufman

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